Zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2026 Schnellantwort: Im 19. Jahrhundert kostete ein Kilogramm Roggenbrot in deutschen Landen je nach Region und Jahrzehnt zwischen etwa 10 und 30 Pfennig (bzw. dem Gegenwert in Silbergroschen oder Kreuzern), während Kartoffeln mit rund 4 bis 10 Pfennig pro Kilogramm deutlich günstiger waren. Rindfleisch hingegen war mit 50 Pfennig bis über 1,50 Mark pro Kilogramm ein teures Gut, das sich ärmere Bevölkerungsschichten kaum regelmäßig leisten konnten. Diese Preisunterschiede bestimmten, was auf dem Tisch stand, und erklären, warum Kartoffeln und Brot die eigentlichen Grundnahrungsmittel der einfachen Bevölkerung waren.

Wichtige Erkenntnisse auf einen Blick

  • Brot und Kartoffeln waren die Hauptnahrungsmittel der Unterschicht; Fleisch galt weitgehend als Sonntagsware oder Luxus.
  • Kartoffeln kosteten im 19. Jahrhundert häufig nur ein Viertel bis ein Fünftel des Brotpreises pro Kilogramm.
  • Fleischpreise stiegen im Verlauf des Jahrhunderts stärker als Brot- oder Kartoffelpreise, was Fleisch relativ teurer machte.
  • Zwischen 1843 und 1849 verdoppelten sich die Preise für Roggen und Kartoffeln in kurzer Zeit, was zu den Hungerkrisen der 1840er Jahre beitrug.
  • Arbeiter und Handwerker gaben je nach Lage 50 bis über 75 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus.
  • Regionale Unterschiede waren erheblich: Westdeutschland und städtische Zentren hatten andere Preisniveaus als ländliche Ostgebiete.
  • Ein preußischer Silbergroschen (= 1/30 Taler) war im frühen 19. Jahrhundert die alltägliche Recheneinheit für Lebensmittelkäufe.
  • Historische Münzen wie der Vereinstaler oder Silbergroschen sind greifbare Zeitzeugen dieser Kaufkraftgeschichte.
  • Direkte Umrechnungen in heutige Euro sind nur als grobe Annäherung möglich und müssen mit Vorsicht interpretiert werden.
  • Die Industrialisierung verbilligte Lebensmittel langfristig, aber nicht gleichmäßig und nicht ohne Krisen.

Wichtige Erkenntnisse auf einen Blick

Was kostete Brot im 19. Jahrhundert im Vergleich zu heute?

Brot war im 19. Jahrhundert kein billiges Grundnahrungsmittel im modernen Sinne, sondern verschlang einen erheblichen Teil des Lohns. In Württemberg kostete ein Kilogramm Weißbrot um 1900 im Jahresdurchschnitt etwa 26 Pfennig [1]. Roggenbrot war günstiger, aber auch das war für Tagelöhner und Fabrikarbeiter eine spürbare Ausgabe. Eine schweizerische Langzeitreihe, die für den deutschsprachigen Raum als Vergleichsmaßstab dienen kann, zeigt folgende Brotpreise pro Kilogramm [3]

Jahr Brot (ca. pro kg)
1820 0,43 Franken
1840 0,40 Franken
1860 0,40 Franken
1880 0,39 Franken
1900 0,28 Franken

Brotpreise sanken also im Laufe des Jahrhunderts leicht, was auf verbesserte Getreideerträge, bessere Transportwege und die beginnende Industrialisierung der Mühlen zurückzuführen ist. Zum Vergleich: In Hamburg und Bremen lagen die Brotpreise im frühen 19. Jahrhundert auf einem ähnlichen Niveau, mit deutlichen Ausschlägen in Krisenjahren [8] Heute kostet ein Kilogramm einfaches Roggenbrot in Deutschland im Durchschnitt (Stand 2026, grobe Schätzung) rund 3 bis 4 Euro. Kaufkraftberechnungen sind hier mit Vorsicht zu genießen, da sich Löhne, Lebensstandard und Produktivität grundlegend verändert haben. Als grobe Annäherung: Wer um 1850 als Maurergeselle täglich etwa 6 bis 8 Silbergroschen verdiente, gab für ein Brot von 2 Pfund schon einen nennenswerten Teil seines Tageslohns aus.

Wie viel kostete Fleisch im Europa des 19. Jahrhunderts?

Fleisch war im 19. Jahrhundert für die meisten Arbeiterfamilien ein teures Gut. In der Schweiz kostete ein Kilogramm Rindfleisch 1820 noch 0,64 Franken, stieg bis 1860 auf 0,95 Franken und erreichte 1900 bereits 1,55 Franken [3]. Fleisch verteuerte sich damit absolut und relativ deutlich stärker als Brot. In Württemberg lagen die Preise für Rind- und Schweinefleisch um 1900 zwischen etwa 1,35 und 1,48 Mark pro Kilogramm [1]. Das war das Fünf- bis Sechsfache des Brotpreises. Im Habsburgerreich dokumentieren historische Marktberichte für das frühe 19. Jahrhundert Preise von etwa 4½ bis 6 Kreuzern pro Pfund Rindfleisch, je nach Sorte und Jahreszeit [6] Ein preußischer Schuhmacher oder Schneidermeister, der um 1840 in den westlichen Provinzen etwa 100 Taler im Jahr verdiente, hatte nach Abzug von Miete, Heizung und Kleidung noch etwa 5⅓ Silbergroschen täglich für Nahrung übrig. Davon konnte er entweder etwa 3,4 Kilogramm Brot oder gerade einmal 800 Gramm Fleisch kaufen. Davon sollten Mann, Frau und Kinder leben. Fleisch war damit eindeutig ein Luxusgut des Alltags, kein selbstverständlicher Bestandteil des täglichen Speiseplans.

Kartoffelpreise in den 1800er Jahren und die Industrielle Revolution

Kartoffeln waren das preisgünstigste Grundnahrungsmittel des 19. Jahrhunderts. In der Schweiz kostete ein Kilogramm Kartoffeln 1820 und 1840 nur etwa 0,04 Franken, stieg 1860 auf 0,08 Franken und stabilisierte sich bis 1900 bei etwa 0,07 Franken [3]Das ist ein Bruchteil des Brotpreises. In Preußen und den deutschen Ländern zeigt sich ein ähnliches Bild. Eine Familie in ärmlichsten Verhältnissen, die um 1843 monatlich nur 6½ Taler einnahm, gab davon 3½ Taler allein für Kartoffeln aus, also mehr als die Hälfte ihres Einkommens für dieses eine Nahrungsmittel. Kartoffeln waren nicht nur billig, sondern auch sättigend und lagerfähig, was sie zur unverzichtbaren Nahrungsgrundlage der Unterschicht machte. Die Industrialisierung veränderte die Kartoffelpreise kaum nach unten, da Kartoffeln bereits sehr günstig waren. Was sich änderte, war die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit der Versorgung, besonders nach den Krisen der 1840er Jahre.

Waren Kartoffeln billiger als Brot in den 1800er Jahren?

Ja, Kartoffeln waren im 19. Jahrhundert durchgängig erheblich günstiger als Brot. Bezogen auf den Kaloriengehalt war der Preisunterschied noch deutlicher: Kartoffeln lieferten pro ausgegebenem Groschen mehr Kalorien als Brot. Die schweizerischen Preisreihen zeigen, dass Kartoffeln im gesamten Jahrhundert etwa ein Zehntel des Brotpreises pro Kilogramm kosteten [3] In deutschen Quellen ist das Verhältnis ähnlich. Für Graz dokumentiert eine historische Auswertung, dass Gemüse und Feldfrüchte preislich weit unter Getreide und Fleisch lagen [5] Entscheidend war aber nicht nur der Preis, sondern auch die Verfügbarkeit: In schlechten Erntejahren stiegen Kartoffelpreise rapide an, was die Abhängigkeit der Armen von dieser Kulturpflanze besonders gefährlich machte. Waren Kartoffeln billiger als Brot in den 1800er Jahren?

Wie veränderten sich die Lebensmittelpreise im Verlauf des 19. Jahrhunderts?

Die Lebensmittelpreise im 19. Jahrhundert folgten keinem gleichmäßigen Trend, sondern zeigten starke Schwankungen mit langfristig sinkender Tendenz gegen Ende des Jahrhunderts. Zwischen 1843 und 1849 verdoppelten sich die Preise für Roggen und Kartoffeln in kurzer Zeit und fielen danach wieder auf das frühere Niveau zurück [2] Diese Ausschläge übertrafen die allgemeinen landwirtschaftlichen Preisindizes sowie die Preise für Milch, Fleisch und Butter. Langfristig lassen sich drei Phasen erkennen:

  • Frühes 19. Jahrhundert (bis ca. 1840): Preise relativ stabil, aber hoch im Verhältnis zu Löhnen. Krisen durch Missernten.
  • Krisenphase 1840er Jahre: Starke Preissteigerungen bei Grundnahrungsmitteln, Hungerkrisen, soziale Unruhen.
  • Zweite Jahrhunderthälfte: Allmähliche Verbilligung durch bessere Infrastruktur, Eisenbahn, Freihandel und steigende Ernteerträge. Fleisch wurde relativ teurer, Brot und Kartoffeln günstiger.

Für den Übergang vom Taler zur Mark nach 1871 ist festzuhalten, dass die Währungsreform selbst die Lebensmittelpreise nicht direkt veränderte, aber eine stabilere Grundlage für den Binnenhandel schuf. Mehr dazu erklärt der Beitrag zur preußischen Währungspolitik Mitte des 19. Jahrhunderts.

Welchen Anteil ihres Einkommens gaben Arbeiter im 19. Jahrhundert für Nahrung aus?

Arbeiter und Handwerker gaben im 19. Jahrhundert einen sehr großen Teil ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus, häufig zwischen 50 und über 75 Prozent. Ein Berliner Maurergeselle um 1800 verwendete schätzungsweise rund 73 Prozent seiner Gesamtausgaben für Nahrungsmittel. Von einem Jahreseinkommen von etwa 104 Reichstalern entfielen nach Abzug von Miete (15 Taler), Licht und Heizung (7 Taler) sowie Kleidung (6 Taler) fast alle verbleibenden Mittel auf Lebensmittel. Ein Schuhmacher oder Schneidermeister in den westlichen preußischen Provinzen hatte um 1840 nach Grundausgaben täglich nur 5⅓ Silbergroschen für Nahrung übrig. Damit konnte man entweder 3,4 Kilogramm Brot oder 800 Gramm Fleisch kaufen, aber nicht beides. Zum Vergleich: Ein preußischer Minister verdiente in den 1820er Jahren 6.000 Taler jährlich. Für ihn war die Frage, was Brot oder Fleisch kostet, eine rein akademische. Welchen Anteil ihres Einkommens gaben Arbeiter im 19. Jahrhundert für Nahrung aus?

Lebensmittelpreise 1800er versus 1900er: Inflation und Kaufkraft

Zwischen dem frühen und späten 19. Jahrhundert veränderten sich die Lebensmittelpreise erheblich, aber nicht einheitlich. Brotpreise sanken tendenziell leicht, Fleischpreise stiegen dagegen deutlich an [3] In der Schweiz verdoppelte sich der Rindfleischpreis zwischen 1820 und 1900 fast (von 0,64 auf 1,55 Franken pro kg), während Brot von 0,43 auf 0,28 Franken sank [3] Das bedeutet: Fleisch wurde relativ zu Brot erheblich teurer. Für das Deutsche Kaiserreich nach 1871 zeigen Statistiken, dass das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Arbeitnehmers von etwa 700 Reichsmark (1891) bis 1918 auf über 1.700 Reichsmark stieg, also um rund 150 Prozent. Die Lebensmittelpreise stiegen in dieser Zeit ebenfalls, aber langsamer, was eine reale Verbesserung der Ernährungslage bedeutete. Mehr zu den Silbermünzen aus dem Deutschen Kaiserreich und ihrer Kaufkraft findet sich im entsprechenden Beitrag.

Warum waren Kartoffelpreise so wichtig für die Geschichte des 19. Jahrhunderts?

Die Kartoffel war im 19. Jahrhundert nicht nur ein Nahrungsmittel, sondern eine soziale und politische Größe. Für die ärmsten Bevölkerungsschichten in Preußen, Irland, Belgien und anderen Teilen Europas war sie das einzige Nahrungsmittel, das in ausreichender Menge erschwinglich war. Als die Kartoffelfäule (Phytophthora infestans) in den 1840er Jahren die Ernten vernichtete, stiegen die Kartoffelpreise schlagartig auf das Doppelte oder mehr [2] Gleichzeitig stiegen auch die Roggenpreise. Wer ohnehin schon kaum genug Geld hatte, konnte sich nun auch das Billigste nicht mehr leisten. Die Folge waren Hunger, Auswanderungswellen und politische Unruhen, die in die Revolution von 1848 mündeten. Die Kartoffelkrise der 1840er Jahre ist damit ein Paradebeispiel dafür, wie Lebensmittelpreise im 19. Jahrhundert direkt in politische Geschichte eingriffen.

Wie beeinflusste die Große Hungersnot die Lebensmittelpreise in den 1800er Jahren?

Die Kartoffelfäule der 1840er Jahre traf Irland am härtesten, aber ihre Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise waren gesamteuropäisch spürbar. In Deutschland verdoppelten sich die Preise für Roggen und Kartoffeln zwischen 1843 und 1849 und fielen danach wieder auf frühere Niveaus zurück [2] Die Preissteigerungen bei Roggen und Kartoffeln übertrafen in dieser Phase die allgemeinen landwirtschaftlichen Preisindizes sowie die Preise für Milch, Fleisch und Butter deutlich [2]Das zeigt, dass die Krise vor allem die Grundnahrungsmittel der Armen traf, nicht die der Wohlhabenden. Für Preußen bedeutete diese Phase eine Verschärfung sozialer Spannungen. Wer nur 6½ Taler im Monat verdiente und davon 3½ Taler für Kartoffeln ausgab, hatte bei verdoppelten Kartoffelpreisen schlicht nichts mehr für andere Ausgaben übrig.

Was galt im 19. Jahrhundert als teures Lebensmittel?

Fleisch, Butter, Zucker, Kaffee und Weißbrot galten im 19. Jahrhundert als teure oder zumindest gehobene Lebensmittel. In Graz dokumentiert eine historische Auswertung, dass Butter einen Gulden pro Zentner kostete, während Gemüse nur 6 Kreuzer pro Zentner kostete [5] Das Verhältnis verdeutlicht die Hierarchie. Weißbrot war teurer als Roggenbrot und galt als Zeichen eines gewissen Wohlstands. Fleisch, besonders Rind- und Kalbfleisch, war die Domäne des Bürgertums und des Adels. Schweinefleisch war etwas günstiger und gelegentlich auch für Handwerkerfamilien erschwinglich. Kaffee und Zucker waren Importwaren und entsprechend teuer. Ein Haushalt, der sich regelmäßig Kaffee leistete, gehörte nicht zur untersten Einkommensschicht.

Wie wissen wir, was Lebensmittel im 19. Jahrhundert kosteten?

Historische Lebensmittelpreise sind aus verschiedenen Quellen überliefert: städtischen Marktberichten und Wochenzetteln, Haushaltsbüchern, Verwaltungsakten, Zeitungsanzeigen und wissenschaftlichen Erhebungen der Zeit. Für Preußen und die deutschen Länder sind besonders Berliner Haushaltsbücher des 19. Jahrhunderts aufschlussreich [7]Marktberichte aus dem Habsburgerreich, sogenannte Wochenzettel, dokumentieren Preise für einzelne Fleischsorten, Brot und Gemüse mit erstaunlicher Genauigkeit [6]Für die Schweiz existieren systematische Lohn- und Preistabellen mit Langzeitreihen von 1820 bis 1900 [3] Diese Quellen haben jedoch Grenzen: Sie erfassen meist städtische Märkte, nicht das Land. Sie spiegeln Durchschnitts- oder Normpreise wider, keine Extremsituationen. Und sie sind nicht immer direkt vergleichbar, da Maßeinheiten wie Pfund, Zentner oder Scheffel regional variierten.

Regionale Unterschiede bei Lebensmittelpreisen in Europa im 19. Jahrhundert

Lebensmittelpreise im 19. Jahrhundert variierten erheblich je nach Region, Jahreszeit und wirtschaftlicher Lage. Westdeutsche Städte hatten andere Preisniveaus als ländliche Ostprovinzen Preußens. Ein Pferdeknecht in Hinterpommern bekam 1865 als Jahreslohn 20 Taler plus Kost. Am mittleren Rhein, in der Pfalz und um Frankfurt verdiente ein Knecht hingegen 50 bis 60 Taler nebst Kost. Dieser Lohnunterschied spiegelte auch unterschiedliche Preisniveaus wider. In Graz dokumentiert die historische Forschung für das 19. Jahrhundert Preise, die sich von norddeutschen Verhältnissen unterschieden, da das Habsburgerreich ein anderes Währungssystem (Gulden und Kreuzer statt Taler und Silbergroschen) und andere Handelswege hatte [5] Wer sich für die Münzen dieser Übergangszeit interessiert, findet im Beitrag zum Vereinstaler im Deutschen Bund wichtige Hintergründe zur Währungsvereinheitlichung.

Wurden Lebensmittel durch die Industrielle Revolution billiger oder teurer?

Langfristig wurden die meisten Grundnahrungsmittel durch die Industrialisierung billiger, aber dieser Prozess war langsam, ungleichmäßig und von Krisen unterbrochen. Brotpreise sanken im Laufe des 19. Jahrhunderts leicht, Kartoffelpreise blieben niedrig, aber Fleisch wurde teurer [3] Die Eisenbahn verbesserte die Versorgung der Städte und dämpfte regionale Preisausschläge. Neue Anbaumethoden und Düngemittel erhöhten die Ernteerträge. Gleichzeitig wuchs die städtische Bevölkerung rasant, was die Nachfrage nach Nahrungsmitteln steigerte. Das Ergebnis war kein einfaches "billiger oder teurer", sondern eine Verschiebung: Grundnahrungsmittel wurden relativ günstiger im Verhältnis zu steigenden Löhnen, aber die Verteilung dieser Gewinne war sehr ungleich. Fabrikarbeiter profitierten kaum, solange die Löhne niedrig blieben.Lebensmittelpreise im 19. Jahrhundert: Was kosteten Brot, Fleisch und Kartoffeln?  

Münzen als Zeitzeugen: Was ein Silbergroschen wirklich bedeutete

Ein preußischer Silbergroschen, also der 30. Teil eines Talers, war im frühen 19. Jahrhundert die alltägliche Recheneinheit für Lebensmittelkäufe. Wer einen Silbergroschen in der Hand hielt, konnte damit je nach Jahr und Region etwa ein Kilogramm Kartoffeln, ein halbes Kilogramm Brot oder ein kleines Stück Fleisch kaufen. Historische Münzen wie der Vereinstaler oder die preußischen Taler und Silbergroschen sind in diesem Sinne Münzen als Zeitzeugen: Sie erzählen nicht nur von Währungssystemen und Münzfüßen, sondern von echten Kaufentscheidungen, von Hunger und Sattheit, von Armut und bescheidenem Wohlstand. Der Münzfuß, also die gesetzlich festgelegte Anzahl von Münzen, die aus einer bestimmten Menge Feinsilber geprägt wurden, bestimmte den Silbergehalt und damit den Realwert einer Münze. Ein Kurantmünze (eine vollwertige Münze mit dem aufgeprägten Nennwert entsprechendem Metallgehalt) wie der Taler hatte einen anderen Stellenwert als eine Scheidemünze (eine Münze, deren Nennwert über dem Metallwert liegt). Wer mehr über die Hintergründe erfahren möchte, findet im Beitrag zu den preußischen Münzen von 1701 bis 1918 einen guten Einstieg. zum Shop

Fazit: Was die Lebensmittelpreise im 19. Jahrhundert über das Leben der Menschen verraten

Die Lebensmittelpreise im 19. Jahrhundert erzählen eine Geschichte von Knappheit, sozialer Ungleichheit und langsamen Verbesserungen. Brot und Kartoffeln waren die Grundlage, Fleisch das Privileg. Wer einen Taler in der Hand hielt, musste genau überlegen, wofür er ihn ausgab. Was Sie als nächstes tun können:

  • Vergleichen Sie die hier genannten Preise mit den Löhnen, die auf Preussenthaler.de dokumentiert sind, um ein vollständiges Bild der historischen Kaufkraft zu erhalten.
  • Schauen Sie sich historische Münzen wie den Silbergroschen oder den Vereinstaler im Onlineshop für historische Sammlermünzen an: Jede dieser Münzen hat einmal für Brot, Fleisch oder Kartoffeln bezahlt.
  • Lesen Sie den Beitrag zur preußischen Währungspolitik, um zu verstehen, wie Münzreformen und Lebensmittelpreise zusammenhingen.
  • Beachten Sie: Alle Kaufkraftvergleiche zwischen historischen und heutigen Preisen sind Annäherungen. Löhne, Lebensstandard und Produktivität haben sich so grundlegend verändert, dass direkte Umrechnungen immer mit Vorsicht zu interpretieren sind.

Die Münzen, die damals über den Markttresen gingen, liegen heute in Sammlungen. Sie sind mehr als Metall und Prägung: Sie sind Geschichte zum Anfassen.

Häufig gestellte Fragen

Was kostete ein Kilogramm Brot im 19. Jahrhundert in Deutschland? Je nach Region und Jahrzehnt zwischen etwa 10 und 30 Pfennig für Roggenbrot. Weißbrot war teurer. In Württemberg kostete ein Kilogramm Weißbrot um 1900 im Jahresdurchschnitt etwa 26 Pfennig [1] Waren Kartoffeln im 19. Jahrhundert wirklich so billig? Ja. Schweizerische Preisreihen zeigen Kartoffelpreise von etwa 0,04 bis 0,08 Franken pro Kilogramm, also rund ein Zehntel des Brotpreises [3] In Deutschland war das Verhältnis ähnlich. Wie oft aßen Arbeiter im 19. Jahrhundert Fleisch? Selten. Für die meisten Arbeiterfamilien war Fleisch Sonntagsware oder blieb ganz aus. Fleisch kostete das Fünf- bis Sechsfache des Brotpreises pro Kilogramm. Warum stiegen die Lebensmittelpreise in den 1840er Jahren so stark? Die Kartoffelfäule vernichtete Ernten in ganz Europa. Gleichzeitig stiegen Roggenpreise. Zwischen 1843 und 1849 verdoppelten sich die Preise für diese Grundnahrungsmittel in kurzer Zeit [2] Was war ein Silbergroschen im 19. Jahrhundert wert? Ein Silbergroschen war der 30. Teil eines preußischen Talers. Mit einem Silbergroschen konnte man je nach Jahr und Region etwa ein Kilogramm Kartoffeln, ein halbes Kilogramm Brot oder eine kleine Portion Fleisch kaufen. Wie viel Prozent ihres Einkommens gaben Arbeiter für Nahrung aus? Sehr viel: Ein Berliner Maurergeselle um 1800 gab schätzungsweise rund 73 Prozent seiner Gesamtausgaben für Nahrungsmittel aus. Wurden Lebensmittel im Laufe des 19. Jahrhunderts billiger? Brot und Kartoffeln tendenziell ja, Fleisch wurde dagegen teurer. Langfristig verbesserte sich die Ernährungslage, aber sehr ungleichmäßig und mit erheblichen Krisenunterbrechungen [3] Was war der Unterschied zwischen Taler und Silbergroschen? Der Taler war die große Silbermünze, der Silbergroschen (ab 1821 in Preußen) ein Dreißigstel davon. Der Taler war die Recheneinheit für größere Ausgaben wie Miete oder Kleidung, der Silbergroschen für den täglichen Lebensmitteleinkauf. Gab es regionale Preisunterschiede in Deutschland? Erhebliche. Westdeutsche Städte hatten höhere Lohn- und Preisniveaus als ländliche Ostprovinzen. Am Rhein verdiente ein Landarbeiter um 1865 das Zwei- bis Dreifache eines Kollegen in Hinterpommern. Wie zuverlässig sind historische Lebensmittelpreisangaben? Die überlieferten Quellen, darunter Marktberichte, Haushaltsbücher und Verwaltungsakten, sind wertvoll, aber nicht vollständig. Sie erfassen meist städtische Märkte und Normpreise, keine Extremsituationen oder ländliche Verhältnisse. Schätzungen sollten immer als solche gekennzeichnet werden [7]

Quellen

[1] Preise Damals 1900 - https://www.buergerleben.com/preise-damals-1900/ [2] Preise Nahrungsmittelpreis Geschichte Pik Mirjam Neebe 2009 - http://ernaehrungsdenkwerkstatt.de/fileadmin/user_upload/EDWText/TextElemente/Ernaehrungsgeschichte/Preise_Nahrungsmittelpreis_Geschichte_PIK_mirjam-neebe_2009.pdf [3] Lohntabelle 19. Jahrhundert - https://www.ruest.ch/downloads/Lohntabelle%2019%20Jh.pdf [5] Z Jg57 Robert Baravalle Preise und Löhne in Graz im 19. Jahrhundert 1820-1914 - https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/Z_Jg57_Robert-BARAVALLE-Preise-und-L%C3%B6hne-in-Graz-im-19.-Jahrhundert-1820%E2%80%931914.pdf [6] Werkepdf - https://franzthiel.at/werkepdf.php?detail=496 [7] Lebensmittelpreise aus vergangenen Zeiten - http://www.lexikus.de/bibliothek/Lebensmittelpreise-aus-vergangenen-Zeiten [8] Lebenshaltungen und Lebenshaltungskosten im 18. und 19. Jahrhundert in den Hansestädten Bremen und Hamburg - https://www.cambridge.org/core/services/aop-cambridge-core/content/view/03C3C85DB06CB547835D32BBA4850A26/S0020859000003023a.pdf/lebenshaltungen-und-lebenshaltungskosten-im-18-und-19-jahrhundert-in-den-hansestadten-bremen-und-hamburg.pdf Meta-Titel: Lebensmittelpreise im 19. Jahrhundert: Brot, Fleisch & Kartoffeln Meta-Beschreibung: Was kosteten Brot, Fleisch und Kartoffeln im 19. Jahrhundert? Preise, Kaufkraft und Löhne in Preußen und Deutschland erklärt, mit historischen Quellen und Münzbezug.

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