Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2026
Schnelle Antwort: Um 1890 verdiente ein einfacher Fabrikarbeiter im Deutschen Kaiserreich durchschnittlich etwa 700 bis 900 Reichsmark im Jahr, was rund 58 bis 75 Reichsmark monatlich entspricht. Handwerker lagen je nach Gewerk und Region etwas höher, Beamte in mittleren Positionen deutlich darüber. Gemessen an den tatsächlichen Lebenshaltungskosten für Miete, Nahrung und Heizung blieb für viele Arbeiterfamilien am Monatsende kaum etwas übrig.
Wichtigste Erkenntnisse auf einen Blick
- Ein Fabrikarbeiter verdiente um 1890 je nach Branche und Region zwischen 600 und 1.000 Reichsmark jährlich, ein angelernter Bergarbeiter im Ruhrgebiet lag 1888 bei rund 863 Reichsmark netto.
- Handwerksmeister erzielten in der Regel 1.200 bis 1.800 Reichsmark pro Jahr, Gesellen deutlich weniger.
- Mittlere Beamte wie Postbeamte oder Steueraufseher kamen auf 300 bis 600 Reichsmark jährlich; höhere Beamte und Minister verdienten ein Vielfaches davon.
- Frauen erhielten in Fabrik und Haushalt meist nur 40 bis 60 Prozent des Männerlohns für vergleichbare Arbeit.
- Eine einfache Arbeiterwohnung kostete in preußischen Städten um 1890 zwischen 8 und 15 Reichsmark monatlich.
- Grundnahrungsmittel wie Brot, Kartoffeln und Roggen waren relativ erschwinglich, aber Fleisch und Kleidung stellten für Arbeiterfamilien echte Ausgabeposten dar.
- Direkte Kaufkraftvergleiche mit heutigen Euro-Beträgen sind nur als grobe Annäherung möglich und müssen mit Vorsicht interpretiert werden.
- Die Markwährung, eingeführt 1871 nach der Reichsgründung, ersetzte den Taler und schuf erstmals ein einheitliches Geldsystem für ganz Deutschland.

Symbolbild – KI-generierte Visualisierung, die Münzen wurden aus Fotos meiner eigenen Sammlung generiert
Wie viel verdiente ein Arbeiter im Deutschen Kaiserreich um 1890?
Ein Fabrikarbeiter im Deutschen Kaiserreich verdiente um 1890 im Jahresdurchschnitt etwa 700 Reichsmark, was rund 58 Reichsmark pro Monat entspricht. Diese Zahl schwankte jedoch erheblich nach Branche, Betriebsgröße und Region.
Konkrete Belege helfen, diesen Durchschnittswert einzuordnen:
- Bergarbeiter im Revier Dortmund (1888): Der durchschnittliche Nettolohn aller Kohlenbergarbeiter betrug 863 Reichsmark jährlich. Diese Zahl ist gut dokumentiert und gilt als einer der verlässlichsten Richtwerte für die Schwerindustrie dieser Zeit. (Quelle: Bernhard Weidenbach / Statista-Forschung)
- Textilarbeiter: Lagen häufig unter dem Bergbauschnitt, oft bei 500 bis 700 Reichsmark jährlich.
- Ungelernte Tagelöhner: Kamen auf deutlich weniger, teils unter 400 Reichsmark im Jahr, abhängig von Auftragslage und Saison.
Wichtig: Diese Angaben beziehen sich auf das Deutsche Kaiserreich insgesamt. Regionale Unterschiede waren erheblich, wie weiter unten erläutert wird.
Was verdienten Handwerker und Gesellen im Vergleich zu Fabrikarbeitern?
Handwerker verdienten im Deutschen Kaiserreich um 1890 in der Regel mehr als ungelernte Fabrikarbeiter, aber die Spanne war groß. Ein selbstständiger Meister in einem städtischen Betrieb konnte auf 1.200 bis 1.800 Reichsmark jährlich kommen, ein Geselle dagegen oft nur auf 600 bis 900 Reichsmark.
Der entscheidende Unterschied lag in Selbstständigkeit und Spezialisierung:
| Berufsgruppe | Ungefähres Jahreseinkommen um 1890 |
|---|---|
| Ungelernter Fabrikarbeiter | 500-800 RM |
| Bergarbeiter (Ruhrgebiet) | ca. 863 RM (Netto, 1888) |
| Handwerksgeselle | 600-900 RM |
| Handwerksmeister (städtisch) | 1.200-1.800 RM |
| Kleinhändler / Krämer | 800-1.400 RM |
Hinweis: Alle Beträge sind Schätzwerte auf Basis verfügbarer historischer Quellen und gelten als Orientierung, nicht als exakter Durchschnitt.
Ein Schuhmacher oder Schneidermeister in den westlichen Provinzen verdiente um 1840 etwa 100 Reichstaler jährlich, was nach der Währungsumstellung 1871 grob mit 300 Reichsmark vergleichbar wäre. Bis 1890 hatten die Löhne in vielen Handwerksberufen moderat zugelegt, lagen aber weiterhin unter denen in der boomenden Schwerindustrie.
Die Silbermünzen aus dem Deutschen Kaiserreich dieser Jahrzehnte spiegeln diese wirtschaftliche Dynamik wider: Die neuen 1-Mark- und 2-Mark-Stücke aus Silber waren Alltagsgeld, das Arbeiter und Handwerker täglich in der Hand hielten.

Symbolbild – KI-generierte Visualisierung
Beamtengehälter im Deutschen Kaiserreich der 1890er Jahre
Beamte im Deutschen Kaiserreich galten um 1890 als vergleichsweise gut abgesichert, verdienten aber je nach Rang sehr unterschiedlich. Untere Beamte wie Postboten oder Schreiber kamen auf 600 bis 900 Reichsmark jährlich, mittlere Beamte auf 1.200 bis 2.400 Reichsmark, höhere Beamte deutlich mehr.
Einige konkrete Richtwerte aus der preußischen Verwaltungstradition:
- Postbeamter (nach Examen und 4 Jahren Dienstzeit): 300 bis 350 Taler jährlich, also nach 1871 rund 900 bis 1.050 Reichsmark.
- Steueraufseher (um 1840, Preußen): 240 bis 300 Taler, entsprechend etwa 720 bis 900 Reichsmark.
- Kopist / Aktenhelfer (unterste Bürostufe): 150 Taler jährlich um 1800, was selbst zeitgenössischen Beobachtern als kaum ausreichend galt.
- Minister (preußische Regierung, 1820-1830): 6.000 Taler jährlich, nach 1871 entsprechend etwa 18.000 Reichsmark.
Das eigentliche Privileg des Beamtenstatus lag weniger im Gehalt als in der Unkündbarkeit, der Pensionsberechtigung und dem gesellschaftlichen Ansehen. Ein Postbeamter mit 900 Reichsmark jährlich lebte nicht üppig, hatte aber eine Sicherheit, die einem Fabrikarbeiter völlig fehlte.
Wer mehr über die Münzen dieser Epoche erfahren möchte, findet im Bereich Münzen des Deutschen Kaiserreichs ab 1871 zahlreiche historische Stücke aus dieser Zeit.
Löhne und Lebenshaltungskosten im Deutschen Kaiserreich um 1890: Was kosteten Miete, Essen und Heizung?
Die Lebenshaltungskosten im Deutschen Kaiserreich um 1890 variierten stark zwischen Stadt und Land sowie zwischen den Regionen. In preußischen Industriestädten musste eine Arbeiterfamilie mit vier Personen monatlich etwa 25 bis 40 Reichsmark für die wichtigsten Grundbedürfnisse einplanen.
Monatliche Ausgaben einer Arbeiterfamilie (Schätzung, Preußen um 1890):
- Miete (1-2 Zimmer, Arbeiterviertel): 8 bis 15 Reichsmark
- Brot und Getreide: 4 bis 7 Reichsmark
- Kartoffeln: 2 bis 4 Reichsmark
- Fleisch (sparsam): 2 bis 5 Reichsmark
- Heizung und Licht: 2 bis 4 Reichsmark
- Kleidung (monatlicher Anteil): 2 bis 4 Reichsmark
Gesamt: grob 20 bis 39 Reichsmark monatlich für eine vierköpfige Familie.
Bei einem Monatslohn von 58 Reichsmark blieb nach diesen Grundausgaben wenig oder gar nichts übrig. Krankheit, Schulgebühren für Kinder oder unerwartete Reparaturen konnten eine Familie schnell in ernsthafte Schwierigkeiten bringen.
Zum Vergleich: Ein Einfamilienhaus im Kaiserreich kostete im Durchschnitt rund 2.000 Goldmark, was für einen Fabrikarbeiter einem Vielfachen seines Jahreseinkommens entsprach und damit praktisch unerreichbar war.
Kaufkraft eines Arbeiters um 1890 im Vergleich zu heute
Ein direkter Vergleich der historischen Kaufkraft mit heutigen Euro-Beträgen ist methodisch schwierig und sollte nur als grobe Orientierung verstanden werden. Die Preisstruktur um 1890 unterschied sich grundlegend von heute: Nahrungsmittel machten einen viel größeren Anteil der Haushaltsausgaben aus, während Industriegüter und Dienstleistungen relativ teurer waren.
Als vorsichtige Annäherung, die auf dem Verhältnis von Lohn zu Grundnahrungsmittelpreisen basiert, entspräche 1 Reichsmark um 1890 grob dem heutigen Kaufwert von etwa 5 bis 8 Euro für Alltagsgüter. Das bedeutet: Ein Jahreseinkommen von 700 Reichsmark hätte eine ungefähre Kaufkraft von heute 3.500 bis 5.600 Euro für Grundbedürfnisse gehabt.
Diese Schätzung ist ausdrücklich als Annäherung zu verstehen. Sie berücksichtigt nicht die völlig andere Struktur von Konsum, Steuern, Sozialversicherung und Dienstleistungen im heutigen Deutschland.
Was sich sagen lässt: Ein Fabrikarbeiter um 1890 lebte knapp, konnte sich kaum etwas Außergewöhnliches leisten und war bei Krankheit oder Arbeitslosigkeit schnell existenziell gefährdet. Die Einführung der Bismarck'schen Sozialversicherungen ab 1883 war deshalb keine Selbstverständlichkeit, sondern eine echte Neuerung.
Frauenlöhne im Deutschen Kaiserreich um 1890
Frauen verdienten im Deutschen Kaiserreich um 1890 systematisch weniger als Männer, oft nur 40 bis 60 Prozent des männlichen Lohns für vergleichbare Tätigkeiten. In der Textilindustrie, dem größten Arbeitgeber für Frauen, lagen Wochenlöhne häufig zwischen 4 und 8 Reichsmark.
Typische Beschäftigungsfelder und Verdienste:
- Fabrikarbeiterin (Textil, Nahrungsmittel): 4 bis 8 Reichsmark wöchentlich, also 200 bis 400 Reichsmark jährlich.
- Haushaltsgehilfin / Dienstmädchen: Oft nur Sachleistungen (Kost und Logis) plus ein kleines Bargeld von 40 bis 80 Reichsmark jährlich.
- Heimarbeiterin (Näherei, Zigarrenrollen): Stücklohnbasis, oft unter 200 Reichsmark jährlich.
Frauen, die als Dienstmädchen arbeiteten, erhielten zwar Unterkunft und Verpflegung vom Arbeitgeber, aber ihr Barverdienst war so gering, dass eigenständiges Wirtschaften kaum möglich war. Verheiratete Frauen aus der Arbeiterklasse arbeiteten häufig zusätzlich zu Haushalt und Kinderbetreuung in der Heimarbeit, um das Familieneinkommen aufzubessern.

Symbolbild – KI-generierte Visualisierung
Kinderarbeit und Kinderlöhne im Deutschen Kaiserreich
Kinderarbeit war im Deutschen Kaiserreich um 1890 noch verbreitet, obwohl das Kinderschutzgesetz von 1878 die Fabrikarbeit für Kinder unter 12 Jahren verboten und für Jugendliche unter 16 Jahren eingeschränkt hatte. Kinder zwischen 12 und 14 Jahren durften in Fabriken maximal 6 Stunden täglich arbeiten.
In der Praxis arbeiteten viele Kinder aus armen Familien dennoch, sei es in der Landwirtschaft, in Heimarbeit oder in kleinen Handwerksbetrieben, die weniger streng kontrolliert wurden. Kinderlöhne lagen bei einem Bruchteil des Erwachsenenlohns, oft 1 bis 3 Reichsmark wöchentlich.
Das Schulpflichtgesetz und die zunehmende Durchsetzung der Arbeiterschutzgesetze unter Kaiser Wilhelm II. führten in den 1890er Jahren zu einer schrittweisen Verdrängung der Kinderarbeit aus den Fabriken. Vollständig verschwunden war sie zu dieser Zeit jedoch noch nicht.
Regionale Unterschiede: Löhne in Preußen, Bayern und anderen Regionen
Die Löhne im Deutschen Kaiserreich um 1890 unterschieden sich erheblich zwischen den Regionen. Industrieregionen wie das Ruhrgebiet, Berlin und Sachsen zahlten deutlich mehr als ländliche Gebiete in Ostpreußen, Bayern oder Hessen.
Einige Vergleichspunkte:
- Ruhrgebiet (Bergbau): Bergarbeiter verdienten 1888 im Schnitt 863 Reichsmark netto jährlich, was für die Zeit vergleichsweise gut war.
- Ostelbische Landwirtschaft (Preußen): Landarbeiter und Knechte kamen oft nur auf 100 bis 200 Reichsmark jährlich, erhielten aber Kost und Unterkunft vom Gutsbesitzer.
- Bayern (ländlich): Ähnlich niedrige Barlöhne wie in Ostpreußen, mit starken Sachleistungsanteilen.
- Berlin und Hamburg: Höhere Nominallöhne, aber auch deutlich höhere Mieten und Lebenshaltungskosten.
Die historische preußische Währungspolitik hatte über Jahrzehnte unterschiedliche Münzsysteme in den verschiedenen Provinzen geprägt, was die wirtschaftliche Integration erschwerte. Erst die Einführung der einheitlichen Markwährung 1871 schuf eine gemeinsame Grundlage.
Armut in der Arbeiterklasse: Wie lebten die Ärmsten um 1890?
Die ärmsten Schichten der Arbeiterklasse im Deutschen Kaiserreich um 1890 lebten unter Bedingungen, die heute als extreme Armut gelten würden. Familien mit einem Monatseinkommen unter 30 Reichsmark gaben den größten Teil davon für Miete und Kartoffeln aus, ohne Spielraum für Kleidung, Bildung oder unvorhergesehene Ausgaben.
Ein Beispiel aus früheren Jahrzehnten, das die Grundstruktur dieser Armut verdeutlicht: Eine Familie aus Mann, Frau und einem Kind hatte um 1843 monatliche Gesamteinnahmen von 6,5 Talern. Davon kostete die Wohnung 2 Taler, Kartoffeln als Hauptnahrungsmittel 3,5 Taler. Für Brennholz, Kleidung und alles andere blieb genau 1 Taler übrig.
Diese Struktur hatte sich bis 1890 verbessert, aber nicht grundlegend verändert. Die untersten Lohngruppen lebten weiterhin an der Grenze des Existenzminimums. Bismarck's Sozialgesetze (Krankenversicherung 1883, Unfallversicherung 1884, Altersrente 1889) begannen erst, eine minimale Absicherung aufzubauen.
Was galt um 1890 als gutes Gehalt im Deutschen Kaiserreich?
Ein Jahreseinkommen von 1.200 bis 2.000 Reichsmark galt um 1890 im Deutschen Kaiserreich als solide bürgerlich und ermöglichte eine bescheidene Mittelstandsexistenz. Wer 3.000 Reichsmark oder mehr verdiente, gehörte zur gehobenen Mittelschicht.
Zur Einordnung:
- Untere Mittelschicht (Volksschullehrer, kleiner Beamter): 800 bis 1.200 Reichsmark jährlich.
- Mittlere Bürgerschaft (Gymnasiallehrer, mittlerer Beamter, Kaufmann): 1.500 bis 3.000 Reichsmark jährlich.
- Gehobene Bürgerschaft (Arzt, Rechtsanwalt, höherer Beamter): 3.000 bis 8.000 Reichsmark jährlich.
- Oberschicht (Fabrikbesitzer, Bankier, Minister): 10.000 Reichsmark und mehr.
Das Wahlrecht war in Preußen bis 1918 an Steuerleistung und Einkommen gebunden. Das Dreiklassenwahlrecht teilte die Wähler nach Steueraufkommen ein, was bedeutete, dass ein kleiner Teil der Bevölkerung mit hohem Einkommen dieselbe Stimmgewichtung hatte wie die große Masse der Arbeiter.
Lohnentwicklung von 1880 bis 1900: Der Trend im Überblick
Die Löhne im Deutschen Kaiserreich stiegen zwischen 1880 und 1900 real, also nach Abzug der Preissteigerungen, moderat an. Der Durchschnittslohn aller Arbeitnehmer lag 1891 bei rund 700 Reichsmark jährlich und stieg bis 1918 auf über 1.700 Reichsmark, was einem nominalen Anstieg von etwa 150 Prozent entsprach.
Für die Dekade um 1890 lässt sich festhalten:
- Die Industrialisierung schuf neue Arbeitsplätze, drückte aber durch Überangebot an ungelernten Arbeitern die Löhne in manchen Sektoren.
- Gewerkschaften begannen sich zu organisieren, hatten aber um 1890 noch begrenzte Verhandlungsmacht.
- Die Reallöhne stiegen langsam, weil die Lebensmittelpreise in dieser Phase relativ stabil blieben.
- Der Bergbau und die Stahlindustrie zahlten überdurchschnittlich, die Textilindustrie und Landwirtschaft unterdurchschnittlich.
Münzen als Zeitzeugen dieser Entwicklung: Die 5-Mark-Silbermünzen unter Kaiser Wilhelm II. und Kaiser Wilhelm I. sind heute beliebte Sammlerstücke, die diese Wirtschaftsepoche greifbar machen. Wer solche historischen Stücke sucht, findet im Bereich Münzen online kaufen transparente Angaben zu Erhaltung und Herkunft.

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Häufige Fragen zu Löhnen und Lebenshaltungskosten im Deutschen Kaiserreich um 1890
Wie viel verdiente ein Fabrikarbeiter 1890 im Monat?
Durchschnittlich etwa 58 bis 75 Reichsmark monatlich, je nach Branche und Region. Bergarbeiter im Ruhrgebiet lagen mit rund 72 Reichsmark monatlich (863 RM jährlich, 1888) etwas über dem allgemeinen Schnitt.
Was kostete ein Brot im Deutschen Kaiserreich um 1890?
Ein Laib Roggenbrot von etwa 1,5 kg kostete je nach Region zwischen 20 und 35 Pfennig. Das entspricht einem kleinen, aber spürbaren Anteil am Tageslohn eines Arbeiters.
Was kostete eine Arbeiterwohnung zur Miete um 1890?
In preußischen Industriestädten zwischen 8 und 15 Reichsmark monatlich für 1 bis 2 Zimmer im Arbeiterviertel. Das entsprach etwa 15 bis 25 Prozent des monatlichen Arbeiterlohns.
Verdienten Handwerker mehr als Fabrikarbeiter?
Handwerksmeister in der Regel ja, mit 1.200 bis 1.800 Reichsmark jährlich. Handwerksgesellen lagen dagegen oft auf ähnlichem Niveau wie Fabrikarbeiter, also 600 bis 900 Reichsmark jährlich.
Was verdienten Frauen im Vergleich zu Männern?
Frauen erhielten systematisch 40 bis 60 Prozent des männlichen Lohns. Eine Fabrikarbeiterin verdiente oft nur 200 bis 400 Reichsmark jährlich.
Wie viel kostete ein Haus im Deutschen Kaiserreich?
Ein einfaches Einfamilienhaus kostete im Kaiserreich im Durchschnitt rund 2.000 Goldmark. Für einen Fabrikarbeiter mit 700 Reichsmark Jahreslohn war das fast drei Jahreseinkommen und damit praktisch unerreichbar.
Gab es Kinderarbeit im Kaiserreich um 1890?
Ja, obwohl das Gesetz von 1878 Fabrikarbeit unter 12 Jahren verbot. In Landwirtschaft und Heimarbeit war Kinderarbeit weiterhin verbreitet. Kinder verdienten 1 bis 3 Reichsmark wöchentlich.
Welche Währung galt im Deutschen Kaiserreich um 1890?
Die Reichsmark, eingeführt 1871 nach der Reichsgründung. Sie ersetzte die verschiedenen Talerwährungen der deutschen Einzelstaaten und schuf erstmals eine einheitliche Währung. 1 Mark = 100 Pfennig; 1 alter Taler = 3 Mark.
Wie unterschieden sich die Löhne zwischen Preußen und Bayern?
In Industrieregionen Preußens (Ruhrgebiet, Berlin) lagen die Löhne deutlich höher als in ländlichen Teilen Bayerns oder Ostpreußens. Landarbeiter in Bayern und Ostpreußen verdienten oft nur 100 bis 200 Reichsmark Bargeld jährlich, ergänzt durch Sachleistungen.
Was war der Unterschied zwischen Nominal- und Reallohn?
Der Nominallohn ist der tatsächlich ausgezahlte Geldbetrag. Der Reallohn berücksichtigt die Kaufkraft, also was man mit diesem Geld tatsächlich kaufen konnte. Zwischen 1880 und 1900 stiegen die Nominallöhne leicht, während die Preise weitgehend stabil blieben, was einen kleinen Reallohnanstieg bedeutete.
Fazit: Was die Zahlen über das Leben im Kaiserreich verraten
Die Löhne und Lebenshaltungskosten im Deutschen Kaiserreich um 1890 zeigen ein klares Bild: Wer als Fabrikarbeiter oder ungelernter Tagelöhner arbeitete, lebte knapp. Ein Monatslohn von 58 bis 75 Reichsmark reichte nach Miete, Essen und Heizung kaum für mehr als das Notwendigste. Handwerksmeister und mittlere Beamte hatten mehr Spielraum, aber echten Wohlstand genossen nur die oberen Gesellschaftsschichten.
Drei konkrete Schritte für alle, die tiefer in diese Epoche einsteigen möchten:
- Münzen als Zeitzeugen nutzen: Eine 5-Mark-Silbermünze aus dem Kaiserreich war kein Kleingeld, sondern entsprach etwa dem Tageslohn eines Facharbeiters. Wer solche Stücke in der Hand hält, bekommt ein unmittelbares Gespür für historische Kaufkraft. Schauen Sie sich die Silbermünzen aus dem Deutschen Kaiserreich an.
- Regionale Unterschiede beachten: Pauschale Aussagen über "den" Lohn um 1890 greifen zu kurz. Wer sich für eine bestimmte Region oder Berufsgruppe interessiert, sollte gezielt nach lokalen Quellen suchen.
- Kaufkraftvergleiche kritisch lesen: Umrechnungen in heutige Euro sind nützliche Annäherungen, aber keine exakten Gleichungen. Die Preisstruktur, Steuerlast und Lebensweise unterschieden sich grundlegend von heute.
Münzen erzählen Geschichte, weil sie das Geld sind, das Menschen damals täglich verwendeten. Die preußischen Prägungen und die frühen Reichsmark-Stücke sind damit nicht nur numismatische Objekte, sondern direkte Zeugen dieser Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Weitere historische Hintergründe zur Münzgeschichte Preußens und den Münzprägestätten im Königreich Preußen finden Sie auf Preussenthaler.de.
Meta-Titel: Löhne im Deutschen Kaiserreich 1890: Arbeiter, Handwerker, Beamte
Meta-Beschreibung: Was verdienten Arbeiter, Handwerker und Beamte im Deutschen Kaiserreich um 1890? Konkrete Löhne, Mieten, Lebensmittelpreise und Kaufkraftvergleiche im Überblick.